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Wie sozial und Unternehmertum zusammenpassen – Sozialunternehmertum

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Viele halten die Grundsätze des ethisch-moralischen Handelns und der kapitalistischen Wirtschaft für nicht vereinbar. Man kann entweder auf den Erfolg des Unternehmens bedacht sein und damit versuchen, Gewinne zu maximieren, oder man setzt sich für einen guten Zweck ein – tut dies allerdings dann im Rahmen einer ehrenamtlichen Vereinsarbeit, bei karitativen Verbänden oder anderen sozialen Einrichtungen. Dieses Verständnis ist nach wie vor weit verbreitet – und zurecht, vielerorts ist diese Trennung noch genauso präsent wie es geschlechterbasierte Rollenverteilungen in der Familie bis unlängst waren (und in manchen Köpfen leider noch sind).


Die Idee des Sozialunternehmertums macht jedoch Schluss mit dieser archaischen Trennung und beweist, wie gut sich unternehmerisches Handeln und Gemeinwohl nicht nur zusammen denken lassen, sondern einander sogar stärken.


Sozialunternehmertum beschreibt die Nutzung finanziell selbsttragender Geschäftsmodelle mit dem primären Ziel der Lösung einer gesellschaftlichen Herausforderung durch fortlaufenden Einsatz unternehmerischen Handelns.

In dieser Definition stecken viele Hinweise darauf, was Sozialunternehmertum aus- und erfolgreich macht.


Zunächst wird deutlich, dass es um unternehmerische Geschäftsmodelle (also den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen) geht, die wirtschaftlich so erfolgreich sind, dass sie alle Kosten der Entwicklung, der Produktion, des Vertriebs sowie aller indirekten Bereiche selbst decken und häufig sogar Gewinne darüber hinaus erwirtschaften. Diese Geschäftsmodelle können entweder in ein bestehendes Unternehmen eingebettet sein und damit sein Kerngeschäft komplementieren, oder sie werden als Grundlage für ein neues Unternehmen genommen und bilden dessen Kerngeschäft.


Wichtig ist jedoch, dass die grundlegende Intention des Angebots dieser Produkte oder Dienstleistungen gemeinwohlorientiert ist, sie also zur Lösung eines gesellschaftlichen oder ökologischen Problems beitragen. Wirtschaftlicher Erfolg wird also nicht nur gleichzeitig zum gesellschaftlichen Nutzen, sondern durch die Schaffung eben dieses erzielt. Somit profitieren das Unternehmen und die Gesellschaft von dieser Art wirtschaftlicher Aktivitäten gleichermaßen. Wie bereits angedeutet, verstehen wir unter ‚gesellschaftlichem Nutzen‘ sowohl den Nutzen, der für Menschen und die soziale Gemeinschaft generiert wird, als auch den für die ökologische Umwelt und den Planeten als Ganzes.


Zuletzt muss betont werden, dass erst von Sozialunternehmertum gesprochen werden kann, wenn das unternehmerische Handeln fortlaufend ist. Die wenigsten gesellschaftlichen Herausforderungen lassen sich mit einzelnen Aktionen oder einmaligen Projekten bewältigen. Daher braucht es nicht nur für den wirtschaftlichen, sondern auch für den gesamtgesellschaftlichen Erfolg Kontinuität und stetige Weiterentwicklung des unternehmerischen Konzeptes.


Weiteren Kriterien, denen sozialunternehmerisches Handeln genügen muss, sind nach unserer Definition die folgenden:

  • Der gesellschaftliche Mehrwert ist objektiv überprüfbar und wird transparent kommuniziert.

  • Langfristig wird eine systemische Verbesserung angestrebt, kurzfristig können jedoch auch Symptome des Problems bekämpft werden.

  • Die Geschäftspraktiken folgen denen des ethischen und umweltbewussten Wirtschaftens und basieren auf demokratischen Prinzipien.

  • Der Finanzierungsbedarf wird aus dem Geschäftserfolg gedeckt (vorrübergehend auch über andere unternehmerische Instrumente).

  • Das Handeln wird kontinuierlich hinterfragt, um positive Wirkung zu skalieren und negative auszuschließen.

  • Aufrichtige Kooperation mit anderen wird als essentielle Bedingung für ganzheitlichen Erfolg zur Bewältigung der Herausforderung gesehen.

Zu den erfolgreichsten deutschen Beispielen von Sozialunternehmen zählen die alternative Suchmaschine Ecosia, die Online-Bank Tomorrow und der Konsumgüterhersteller für Hygieneprodukte, Lebensmittel, Getränke oder Schreibwaren Share. Der Trend, sozialunternehmerisch aktiv zu werden, ist jedoch um einiges größer als es diese drei Vorzeigebeispiele vermuten lassen. Auch immer mehr etablierte Unternehmen denken darüber nach, ihr Kerngeschäft um sozialunternehmerische Modelle zu erweitern.


Wie sich sozialunternehmerische Modelle von denen der herkömmlichen Wirtschaftsunternehmen und klassischen Non-Profit Konzepten abgrenzen, haben wir im folgenden Schaubild dargestellt.


An dieser Stelle bleibt noch einmal zu betonen, dass sozialunternehmerische Modelle sowohl für die Unternehmensgründung als auch für die Ergänzung des etablierten Kerngeschäftes angewandt werden können.

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